USA spezial


Da ich momentan auf dem F one fifty Trip bin, möchte ich Euch diesen Clip natürlich nicht vorenthalten.

Was soll ich sagen! Der F 150 ist einfach nur schön. Viel Spaß.

Maybe it’s a boychild-dream! Ok. Auch gut. Aber gibt es etwas, dass unvernünftiger wäre und gleichzeitig soviel Spaß macht? Ich glaube kaum.

Sie planen einen Urlaub in den USA, wollen aber nicht zwangsläufig  jeden Abend bei Pizza Hut oder Wendy’s landen, da Ihnen die „richtigen“ Restaurants einfach viel zu teuer sind? Dann schauen Sie sich doch einfach mal den Online-Führer „Diner City“ an. Hier finden Sie die tollsten, alten Restaurants in ganz Amerika. Neu sind jetzt auch die Diners entlang des Route 66, sowie jede Menge „Roadside Attractions“. Ein Blick lohnt sich auf alle Fälle – und sei es nur, um in Ruhe zu träumen.

Diner City

Der Fahrer heißt Fliegender Wolf. Zu essen gibt es Chicken Wings aus der Kühlbox. Und draußen rauscht rotes Indianerland vorbei. Auf dem Beifahrersitz eines Trucks durch Arizona und Utah.

Von ZEIT-Redakteurin Elke Michel

Rocky Mountains

Rocky Mountains

Als wir mit 100 Sachen an Sedona vorbeifahren, habe ich das Gefühl, das Beste zu verpassen. Rings um dieses Städtchen in Arizona scheint es so etwas wie Steckdosen für Esoterikfans zu geben: Orte, an denen die Energie des Kosmos direkt in den Menschen fließt. Bis zu vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr hierher, viele von ihnen lassen sich von einem Guru an diese kosmischen Stellen führen, um dort zu meditieren. Für manche, habe ich gelesen, liegt hier das »Herz-Chakra des Planeten«. Auch wenn ich mich nicht für Esoterik interessiere, hätte ich mir diesen New-Age-Zirkus gerne angeschaut. Doch das geht nicht. Ich throne auf dem Beifahrersitz eines Trucks, und mein Truck muss übermorgen eine Fuhre Energy-Drinks und Energy-Riegel in Salt Lake City abliefern, um 10.30 Uhr. Deshalb bleibt er schön auf der Interstate 17, biegt nicht auf irgendwelche Nebenstraßen ab. Ich werde weiterleben müssen, ohne das »Herz-Chakra des Planeten« gesehen zu haben.

Dass ein Lastwagen keine Touristenkutsche ist, war mir klar, als ich diese Reise bei Truckrideamerica buchte. Das Unternehmen gehört Werner Egli und Günther Zöchbauer. Der Schweizer Egli ist in den Siebzigern als Hippie durch die USA getingelt, hatte jahrelang eine Ranch und lebt nun als Schriftsteller bei Zürich und in Arizona. Zöchbauer stammt aus Österreich, ist wegen seiner Frau nach Amerika ausgewandert und leitet heute die Firma A&G Transportation LLC. Als Zöchbauer seinen Freund einmal auf eine Tour mitnahm, kamen sie auf ihre Geschäftsidee: Warum die Beifahrersitze der Trucks nicht an Touristen vermieten? Viele Menschen träumen davon, ein paar Tage aus dem eigenen Leben aus- und in ein anderes einzusteigen, wie ein Vagabund durch dieses weite Land zu reisen.

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Meine Tour begann in Tucson, nahe der mexikanischen Grenze. Wohin die Reise gehen würde, erfuhr ich vor Ort – da Frachten sich bisweilen ändern, stehen die Strecken erst kurzfristig fest. Ich hatte Glück, mein Ziel ist Salt Lake City in Utah: hin und zurück insgesamt 3400 Kilometer – in vier Tagen das halbe Land sehen! In einem Industriegebiet wartete ein weißer, 21 Meter langer Kenworth-Truck. Der Fahrer Kent Hubert, ein Mittfünfziger mit schulterlangen grauen Haaren und Kraftfahrerbauch, öffnete die Beifahrertür. »Steig ein!«, rief er. »Ich habe extra geputzt.«

In den ersten Stunden auf dem butterweichen Beifahrersitz fühlte ich mich, als wäre ich in eine fremde Wohnung eingedrungen: an der Rückwand zwei übereinandermontierte Betten, an den Seitenwänden Stangen mit ein paar Kleiderbügeln, zwischen den Sitzen eine graue Kühlbox. Die Sehenswürdigkeiten sausten hinter den blitzsauberen Fenstern einfach vorbei. Der Picacho Peak, bei Wanderern beliebt, weil hier viele Wildblumen wachsen: für mich ein braungrauer Riesenzinken, der kurz links im Fenster auftauchte. Downtown Phoenix: aus meiner Sicht eine Ansammlung von Hochhäusern. Sedona: komplett verpasst. Jetzt, am Nachmittag, schlängeln wir uns in Flagstaff zwischen Motels und Restaurants hindurch – auf einem winzigen Stück der ehemaligen Route 66. Diesen Weg nahmen auch die Pioniere auf ihrem Treck nach Westen. Die hatten wenigstens Zeit, sich die Gegend anzuschauen!

Kent scheint meinen Unmut zu bemerken. Er deutet auf den kleinen Metallwolf mit Flügeln auf dem Armaturenbrett. »Mein Pseudonym für den Funk ist Fliegender Wolf«, sagt er. »Wölfe faszinieren mich, seit ich als Kind einem im Yellowstone Park begegnet bin.« »Fliegend« erinnert daran, dass Kent früher Pilot war. Eine weitere Figur lugt aus einem Fach in der Rückwand, ein grimmig blickendes Steinmännchen. »Das ist ein Gargoyle, ein Fabelwesen, das nachts lebendig wird. Er bewacht den Truck.«

Bist du abergläubisch? »Nun ja, ich betrachte mich als Hexer. Ich kann durch Handauflegen Schmerzen lindern und mit Runen weissagen.« Das kann ja lustig werden, denke ich, da zieht Kent hinter meinem Sitz auch noch eine Getränkeflasche aus Plastik hervor, in deren Deckel er einen Trichter gebohrt hat. »Meine Damentoilette. Habe ich gebastelt, damit Frauen nachts nicht rausmüssen.« Ich lobe seinen Erfindergeist und nehme mir vor, auf dieser Reise nicht mehr zu trinken als nötig.

Kent macht es sich bequem. Aus der Kühlbox holt er eine Plastiktüte mit Chicken Wings, kaut sie beim Fahren und wirft die Knochen lässig aus dem Fenster. »Das freut die Tiere am Straßenrand!« Viele Tiere sind dort allerdings nicht zu sehen – dafür ist die Landschaft nun wie verwandelt: Unendlich weit dehnt sie sich aus, nur hier und da stehen ein paar Hütten, vor denen ein Pony oder Maultier grast. Der karge rötliche Erdboden leuchtet in der Abendsonne. »Indianerland«, sagt Kent. »Navajo Nation ist das größte Reservat der USA.« Die Sonne sinkt immer tiefer, bald wird das Land grau, dann schwarz. Die Büsche und Hügel am Straßenrand erinnern nun an gigantische Maulwurfshügel. Mein Sitz wippt im Takt der Straße. Ich fahre auf einem Schaukelstuhl durch ein Land der Riesenmaulwürfe, über das eine Sternensippe wacht. Irgendwann funkeln die Sterne auch auf dem Boden: Es sind die Lichter der Stadt Page.

Am nächsten Tag erwache ich, immer noch sanft schunkelnd. Kent hatte den Motor die ganze Nacht laufen lassen, damit die Heizung funktionierte. Nachdem ich mich im oberen Bett in meinen Schlafanzug gewurstelt hatte, tuckerte ich binnen Minuten ins Reich der Träume. Neben uns parkt nun ein Kollege, in dessen Anhänger sechs schwarze Rinder poltern. »Oh, Steaks«, sagt Kent. Er hat wahrscheinlich schon oft gesehen, was mich gerade beeindruckt: Am Stadtrand unterhalb des Parkplatzes hat der Colorado River einen Canyon ins rote Gestein geschnitten, in dem die Morgensonne nun ein Schattenspiel aufführt. Seitlich davon krallt sich Lake Powell, der zweitgrößte künstliche See der USA, wie ein blauer Polyp in die hohlwangige Sandsteinlandschaft.

Wir sehen dieses vielarmige Ungeheuer noch eine Weile im Rückspiegel, als wir uns wieder auf den Weg durch die rostrote Dünenwüste Arizonas in Richtung Utah machen. Wenn es bergauf geht, keuchen wir etwas langsamer dahin, erspähen Tierspuren am Wegesrand. Bei Kanab, wo Utah beginnt, drosseln wir das Tempo auf acht Stundenkilometer. Auf einer Extraspur müssen wir über eine Waage rollen, eine Metallplatte im Boden. »Solche Waagen gibt es an allen Staatsgrenzen«, sagt Kent. »Nur wer samt Fracht weniger als 36 Tonnen wiegt, darf weiter.« Und wenn man schwerer ist? »Dann muss das Unternehmen noch einen Truck schicken, und es wird umgeladen.« Kent lacht. Wir dürfen weiter. Er tritt aufs Gas. Doch mir scheint es, als kröchen wir noch immer dahin.

Abseits der Städte wirkt die weite Landschaft wieder wie ein Standbild, das nur gelegentlich ausgetauscht wird: Gestern wurde aus der gelblichen Wüste um Tucson irgendwann rotes Indianerland. Jetzt gleiten wir durch rosafarbene Tafelberge. Als wir gegen Mittag vom Highway 89 auf den Highway 20 wechseln, windet sich die Straße durch einen grünen Nadelwald ins Gebirge hinauf. Wer diese Standbild-Illusionen lange genug betrachtet hat, glaubt, die Vereinigten Staaten sähen aus der Luft aus wie ein bunter Ringelpulli.

Auf der Interstate 15 macht Kent schlapp. Er gähnt immer öfter, biegt auf einen Rastplatz ein, bei einem Ort namens Beaver, und legt sich eine Stunde hin. Ich ergreife sofort die Gelegenheit, seine Damentoilette NICHT zu benutzen. Ansonsten ist der Truckstop ein Männerreich. In dem einzigen Shop gibt es alles, was Kent und seine Kollegen unterwegs brauchen: Chicken Wings, Süßigkeiten, Antennen und Ersatzwischblätter. Außerdem: Herrenunterhosen im günstigen Dreierpack und CDs, auf deren Hüllen meist ein Cowboyhut prangt. In einem Gang stehen Waschmaschinen und Duschkabinen. Der Aufenthaltsraum gleicht einem Minirummelplatz. Zwei Flipper blinken in einer Ecke. Am Apparat daneben kann man mit Plastikgewehren Elche und Bären erlegen, an einem anderen kann man Britney-Spears-Sammelbildchen ziehen oder Aufkleber, die Scheibenrisse imitieren. Ich stelle mich auf eine Waage in Türkis, Rot und Gold, die nicht nur mein Gewicht anzeigt, sondern auch meine Lottoglückszahl und meinen Spruch des Tages: »Der frühe Vogel fängt den Wurm.«

Als ich auf die Uhr sehe, ist eine Stunde vergangen. Diese Reise kommt mir immer mehr vor wie ein Film, der an ungewohnten Stellen sehr schnell oder sehr langsam läuft. Ein Film, für den man Geduld braucht; und an den ich mich langsam gewöhne wie an eine neue Zeitzone. Bald will ich nicht mehr aussteigen, wo Kent Gas gibt. Ich liefere mich dem neuen Rhythmus aus. Kent bringt mir die Grundregeln des Truckerlebens bei: Ich lerne, dass man in acht Tagen 70 Stunden arbeiten darf und an einem Tag 14 Stunden – davon aber nur elf am Steuer. Ich verstehe die Geheimcodes des Truckerfunks: Statt »Achtung, Polizei!« sagen wir »Achtung, Smokey!«, weil viele Polizisten ähnliche Hüte tragen wie Smokey, die Figur aus einer Kampagne zur Vermeidung von Waldbränden. Ein schwarz-weißes Polizeiauto heißt »Pandabär«.

Nach unserem Rastplatzstopp sagte Kent einmal: »Wow, jetzt haben wir 100 Kilometer lang geredet.« Da begann ich, unsere Gespräche in Verkehrsbegriffen zu beschreiben. Ich nehme Diskussions-Umfahrungen, wenn er mir mal wieder sein Damenklo anpreist; registriere Konversationssperren, die erst allmählich passierbar werden – nicht sofort erzählt Kent mir von seiner Freundin in Tucson und seinen beiden erwachsenen Söhnen. Auf Rede-Autobahnen geraten wir, sobald Kent von seiner Pilotenvergangenheit schwärmt: »Wusstest du, dass Regenbögen in der Luft kreisrund sind?« Oder wenn er Trucker mit Wölfen vergleicht: »Erwachsene Wolfsrüden, die kein Alphamännchen sind, müssen ihr Rudel verlassen. Diese Tiere tun sich zusammen, wenn es nötig ist, können ansonsten aber prima alleine leben.«

Als wir am dritten Tag frühmorgens die letzten Kilometer nach Salt Lake City zurücklegen, hüllt die Dämmerung das Grasland um uns noch in grauen Schlaf, am Straßenrand träumen Holzhäuschen. Die Wasatch Mountains in der Ferne, die Salt Lake City überragen, tragen Schneewipfel wie weiße Nachthauben. Kent erklärt, dass die Mormonen den Staat Utah gegründet haben, weil sie im Osten religiös verfolgt wurden. Als wir in Salt Lake City einfahren, deutet er auch auf die Türme ihres Tempels, die zwischen den Wolkenkratzern hervorschauen. Ich muss da nicht hin.

Mein Ziel befindet sich in einem Industriegebiet im Nordwesten. Eine Halle mit nummerierten Garagentoren, vor denen die Trucks nebeneinanderstehen wie Kühe an einer Melkmaschine. Mit offenen Trailertüren rollen auch wir rückwärts an ein Tor. Es rumpelt, Gabelstapler fahren in den Truck, laden die Waren aus.

In Ogden, am Ostufer des Salzsees, holen wir die Ladung für die Rückfahrt. Die Wiesen und Wege um die Filiale der North American Salt Company wirken wie ausgeblichen, zwischen den Gebäuden türmen sich hohe Salzhaufen. »Auf der dünner besiedelten Westseite des Great Salt Lake sind große Bassins«, erklärt mir eine Angestellte. »In denen lassen wir Wasser aus dem See ein Jahr verdunsten, bis eine dickliche Flüssigkeit entsteht. Die leiten wir unterm See hindurch in kleinere Becken bei uns, und nach zwei weiteren Jahren ist das Salz hart, wird von Bulldozern zerbrochen und verfeinert.« Auch Kent ist zufrieden. Wir haben 20 Paletten Lecksteine für Tiere bekommen. »Eine gute Fracht, schön niedrig, schlingert nicht.«

Von jetzt an läuft der Film unserer Reise rückwärts. Das Land wechselt von Weiß nach Grün nach Rot. Wir fahren, fahren, fahren, und mein Brummibraut-Ego steigert sich zu Fernfahrer-Größenwahn: Ich bin nun der Ansicht, dass die Straße uns gehört – schließlich arbeiten und wohnen wir hier. Und warum sollte man nicht auf alle herabschauen, wenn man nun mal größer ist? Putzig, das lichte Haar auf dem Kopf des Angeberschlittenfahrers neben uns! Verdächtig, die Delle im Dach des Polizeiautos! »Das ist noch gar nichts«, sagt Kent. »Ich habe schon Paare beim Blowjob während der Fahrt gesehen.«

Das Land färbt sich langsam wieder gelblich. Bei Tucson, der Endstation unserer Reise, recken riesige Saguaro-Kakteen ihre Arme in die Höhe, als würden sie von einem Revolver bedroht. Als ich von Kents Beifahrersitz steige, fühle ich mich plötzlich winzig. Auch das Auto, mit dem Günther Zöchbauer mich am nächsten Tag zum Flughafen fährt, kommt mir lächerlich klein vor. Der Asphalt saust so nah unter uns hindurch, dass ich die Beine anziehen möchte. Vor allem aber werde ich den Eindruck nicht los, dass mir irgendjemand ständig auf den Kopf schaut.

INFORMATION

Truckrideamerica nimmt Touristen in normalen Arbeitstrucks mit. Die Touren beginnen in Tucson und dauern zwei, vier oder sechs Tage. Passagiere können Wünsche zur Route äußern, doch letztlich entscheidet die Spedition. Übernachtung im Truck, auf Wunsch im Motel. Gegessen und geduscht wird in Truckstops. Einige der Trucker sprechen Deutsch. Ein Tag kostet inklusive Übernachtung im Truck und Vollpension 260 Euro. Truckrideamerica, Werner J. Egli, Glärnischstrasse 8c, CH-8132 Egg bei Zürich, Tel./Fax: 0041-44/5770505, www.truckrideamerica.com

Raststättenessen, 12-Stunden-Tage, Countrymusik. Warum deutsche Truck-Fans tausende Euro zahlen, um einmal im Leben mit dem Lastwagen durch die USA zu fahren.
Von FOCUS-Redakteur Stefan Wagner
Northstar Restaurant

Northstar Restaurant

Manch einer würde Markus Michel für verrückt erklären. Andere würden den Kopf schütteln. Ein paar wenige können ihn verstehen. Der 40-jährige Lastwagenfahrer hat seinen Urlaub damit verbracht, ein paar Tausend Euro dafür zu zahlen, dass er in einem Lastwagen sitzen darf. Als Beifahrer. Dass er Dieseldampf an Tankstellen einatmen darf, Stunden auf die vorbeifliegende Wüste und den endlosen Highway vor ihm schauen und nachts in einer Koje hinten im Truck schlafen darf. Markus Michel gehört zur wachsenden Zahl derer, die Truckerferien in den USA buchen. Und merkwürdigerweise sind es häufig Lastwagenfahrer aus Deutschland, die den Vier- oder Sechstageausflug auf die amerikanischen Interstates antreten. „6000 Kilometer in sechs Tagen!“. Markus Michels Augen leuchten förmlich, wenn er von seinem Abenteuer spricht.

Entspannung „on the road“

Michel ist vergangenen Herbst mit dem 22 Meter langen Gespann durch die Bundesstaaten Arizona, Nevada und Kalifornien gefahren. Neben ihm ein waschechter Trucker am Steuer, hinter ihm Paletten mit Getränkedosen – 25 Tonnen schwer – unter ihm der 550-PS-Motor eines Kenworth W-600-Trucks. „Sie können sich nicht vorstellen, wie entspannend das war“, erzählt er heute, „es ist eine andere Truckerwelt. Hier in Deutschland gibt es nur Stress, Staus, Reibereien. In den USA ist der Druck auf den Fahrer viel geringer, er muss auch nicht entladen. Der Verkehrsfluss ist besser, man schnurrt mit 120 Stundenkilometern dahin, und die Trucker nehmen mehr Rücksicht aufeinander als auf den Straßen in Europa.“ Die Teilnehmer an den Truckerreisen verbringen wahlweise zwischen zwei und sechs Tage im Laster. Sie teilen die Fahrerkabine mit dem Lkw-Fahrer, essen und duschen in Truckstops, schlafen in Motels oder auf der 1,10 Meter breiten Pritsche im Lastwagen.

Ohne Schrotflinte, mit Sitzfleisch

„To ride shotgun“ sagen die Amerikaner, wenn sie vom Beifahren reden. In alten Postkutschen-Zeiten war nämlich der Begleitfahrer dafür zuständig, mit der Schrotflinte („shotgun“) die Fahrt gegen angreifende Banditen oder Indianer zu sichern, während der Kutscher sich auf die Pferde konzentrieren konnte. Die heutigen Shotgunrider müssen sich eher um die Wahl der richtigen Radiostation oder die Unterhaltung kümmern. Nebenbei lernen sie viel von den Fahrern. Zum Beispiel, dass die drei Millionen amerikanischen Trucker durchschnittlich 900 bis 1000 Dollar brutto die Woche verdienen. Dass sie in einem Jahr etwa 220 000 Kilometer zurücklegen, maximal 70 Stunden in acht Tagen fahren dürfen, dass der Tank ihrer Laster, der sogenannten „semis“, gut 1100 Liter Treibstoff fasst und die Zugmaschine gut 50 Liter auf 100 Kilometer verbrennt.

Dieselschwaden in der Wüstennacht

Auch der Lkw-Urlauber Alexander Schmid, 58, ist vom Fach. Er arbeitet als Fuhrparkorganisator bei München. „Ich wollte Amerika aus einer Perspektive kennenlernen, wie sie keinem Touristen geboten wird“, sagt er heute und wird fast schon melancholisch, wenn er sich an die von Rock- und Countrymusik untermalten einsamen Stunden in den unendlichen Weiten der Mojave-Wüste oder in der Prärie von Texas erinnert. „1000 Kilometer am Tag waren kein Problem.“ Ob das denn nicht langweilig war? „Ach was, die Landschaft ist wie ein Kinofilm, Kakteen, Sand und über allem der tiefblaue Himmel. Es ist wie ein Traum – und die luftgefederten Sitze sind auch sehr gemütlich.“ Schmids Highlight war die Nacht, die das Truckerteam irgendwo am Highwayrand mitten in der Wüste verbrachte. Der Motor lief die ganze Nacht im Leerlauf, damit die Klimaanlage die Temperatur auf eine erträgliche Temperatur kühlen konnte.

Ein Österreicher auf dem Fahrerbock

Markus Michel, der schon als Kind nur mit Spielzeuglastwagen spielen wollte und „eigentlich schon immer“ davon träumte, mal in den USA in einem 18-rädrigen Truck zu sitzen, war nur über eines enttäuscht: „Es hat mich die ganze Zeit gejuckt, mal selbst zu fahren, aber das war aus rechtlichen Gründen auf den öffentlichen Straßen nicht möglich.“ Michel plant schon seine nächste Truckreise und hofft, dass der Trucker ihn dann mal ans Steuer lässt – irgendwo auf einem großen Privatgrundstück. „Schaun mer mal“, meint dazu der gebürtige Österreicher Günther Zöchbauer, 60. Er will die Möglichkeiten recherchieren, denn das ist ein Wunsch, den seine Kunden immer wieder an ihn herantragen. Zöchbauer ist vor acht Jahren in die USA ausgewandert. Er ist heute Mitbesitzer der Speditionsfirma A&G Transportation in Tucson, Arizona. In seinen Trucks entführen er und seine Angestellten highwayhungrige Europäer in die amerikanische Truckerwelt.

Tornados und Wapiti-Hirsche

„Ich liebe diesen Job“, sagt er. Drei Millionen Lastwagenkilometer hat er inzwischen auf dem Buckel und die zahlenden Mitfahrer bieten ihm Unterhaltung und Anregung während der langen Highwaytage. „Ich lerne immer noch dazu“, sagt er, „die Shotgunrider sind extrem wissbegierig, und ich habe noch nie jemanden dabei gehabt, der sich gelangweilt hat.“ Das Fahren durch die USA sei eben immer noch ein Abenteuer, ob es darum gehe, Tornados oder Sandstürmen großräumig auszuweichen, oder darum, erst spät nachts in Städte wie Los Angeles einzufahren, um den Berufsverkehr zu vermeiden. Bei Überlandfahrten bevorzugt Zöchbauer das Tageslicht: „Kojoten, Wüstenfüchse, Wapiti-Hirsche sind meist nachts unterwegs, diese Begegnungen erspare ich mir am liebsten.“ Ob ihn das Fernfahrer-Klischee vom tumben, Country-Musik-hörenden Bierbauchträger nervt? „Ach wissen´s“, sagt er sanft lächelnd, „die Gespräche, die wir hier in der Fahrerkabine führen, handeln wirklich alle Themen ab, die die Welt zu bieten hat. Und als gebürtiger Österreicher höre ich sehr gerne mal Mozart.“

WEITERE INFORMATIONEN

Truckerferien kosten ab 2400 Euro für vier Tage (inklusive Flug nach Tucson, Arizona, Übernachtungen vor und nach Beginn der Fahrt) und sind unter anderem bei Truckrideamerica oder dem Hannoveraner Spezialreiseveranstalter America Unlimited buchbar.

Manchmal erscheinen Bücher, bei denen sich ein zweiter Blick durchaus lohnt. Das Buch „Auf der Suche nach Amerika“ von Bettina Gaus gehört dazu. Da ich kein Literatur-Kritiker bin, lasse ich einfach andere an meiner Stelle sprechen:

”Es ist der persönliche, neugierige in jeder Hinsicht zivile Ton des Textes, der, neben der gewohnt scharfsinnigen Analyse, das Buch in ein ganz eigenes Genre befördert, es steht weit mehr in der literarischen und ironischen Tradition eines Bruce Chatwin als in jener der immer etwas erwartbaren Bücher unserer amtlichen Amerika-Korrespondenten.“
(Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.August 2008)

”Auf 238 Seiten zeichnet diese Reportage ein großes, aktuelles und facettenreiches USA-Panorama. Was sich die Autorin vor Reiseantritt vorgenommen hat, nämlich zumindest einen ‚Zipfel der Wirklichkeit’ abzubilden, ist ihr gelungen, auf ebenso informative wie unterhaltsame Weise. Reisen, das wird klar, bildet. Das Lesen dieses Buches auch!“
(Annette Moll, Deutschlandfunk, Andruck — Das Magazin für Politische Literatur, 4. August 2008)

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