Hausbau Kanada


Montag, 8. Mai 2006 – 21:37 Uhr
Kleiner Zwischenbericht

Obwohl es im Moment so aussieht, als ob die Dinge nur extrem zähflüssig voran gehen, tut sich offensichtlich doch Einiges im Verborgenen.
Ich habe gerade mit Ray telefoniert und die Dinge laufen komplett nach Plan:
Wie besprochen war letzte Woche der Highway-Inspektor vor Ort und es konnte die Stelle für die Straßeneinfahrt festgelegt werden.
Und nicht nur das – die Grundstückszufahrt wurde von Leonard bereits gebaut, sodaß ab nächster Woche die Trucks rollen können.
Noch in dieser Woche wird uns der „Building Inspector“ unsere „Civic Number“ mitteilen. Dann haben wir endlich unsere heißersehnte Hausnummer und die Visitenkarten können in den Druck gehen…
Anfang kommender Woche beginnen auch die Vorbereitungen für den neuen „Well“, also für die Bohrung des Brunnens.
In einigen Tagen soll es dann auch mit der Foundation losgehen. Ich glaube, dass Ray sogar gesagt hat, dass es Übermorgen losgehen soll. Das wäre natürlich wirklich exzellent. Es kann aber auch sein, dass das nur ein kurzer Tagtraum war. Wir werden sehen.
Ende der Woche will Ray auch die, von mir schon lang erwarteten, ersten Photos mailen. Natürlich bekommt Ihr sofort die Bilder ins Netz gestellt. Ist doch klar.

Ach ja – nächste Woche Donnerstag sollen auch schon die Fenster und Türen angeliefert werden…
Ich weiß zwar nicht, wo die gelagert werden sollen, aber ich denke, dass ich das auch noch erfahren werden.

Von Civic Numbers und Grundstücks-Einfahrten

Da ich heute mit Ray telefoniert habe, sind wir auch auf das Thema „Civic Numbers“ zu sprechen gekommen. Dazu möchte ich an dieser Stelle ein kurzes Zitat aus dem Red Cove Forum erwähnen:

„Ist mir eben gerade eingefallen, als ich Deinen neuesten Tagebucheintrag (Building Permit) gelesen habe:
Civic Number – für die „Todo-Liste“. Frage doch mal Deinen Bauherrn, ob er, nach Fertigstellung und Endabnahme, auch die Civic-Number beantragt und vor allem das entsprechende Schild auch besorgt.
Hatte ich damals selbst machen müssen, war ein großes Zeitaufwand ( wer macht dieses Schild etc. ).“

Die „Civic Number“ ist im Grunde genommen nichts anderes, als die Haus-Nummer. Diese Nummer richtet sich allerdings auch nach der Größe des Grundstücks und wird, soweit ich weiß, von der Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Building-Inspektor vergeben.
Wer hier noch genauere Informationen hat – immer her damit.
Ich muß mich allerdings nicht um die CN kümmern. Das erledigt Ray für uns. Wahrscheinlich bekommen wir diese Nummer schon in der nächsten oder übernächsten Woche.

Der zweite wichtige Punkt ist die Genehmigung für die Erteilung und Festlegung der Grundstücks-Einfahrt. Auf jeder Seite der Grundstücks-Einfahrt muß freie Sicht für 120m sein. Das dürfte für uns also kein Problem bedeuten. Raymond hat den entsprechenen Termin am kommenden Montag auf unserem Grundstück. Donnerstag findet dann ein zweites Gespräch statt, an dem die Genehmigung wohl erteilt wird. Ray sieht hier jedenfalls kein Problem. Anschließend wird dann direkt mit dem Bau der Grundstücks-Einfahrt begonnen. Ich hoffe, dass ich Euch dann die ersten Photos in zwei Wochen zeigen kann.

Noch eine kleine Information zur „Building Permit“:
Ich hatte erwähnt, dass die Genehmigung am Grundstück angebracht werden muß. Das war von meiner Seite ein Mißverständnis. In diesem Zusammenhang bedeutet „Property“ nicht Grundstück, sondern das „Haus“.
Zum jetzigen Zeitpunkt muß Ray die Baugenehmigung nur bei sich führen und auf Verlangen vorzeigen. Erst wenn das Haus steht, muß Sie am Gebäude angebracht werden.

Building Permit

building permit

Auszug aus der Baugenehmigung

Wie ich ja bereits erwähnt hatte, passiert im Moment nicht allzuviel. Eine, für uns gute Nachricht, gibt es allerdings doch: Wir haben vor zwei Tage die Kopie unserer „Building Permit“, Baugenehmigung, erhalten. Diese muß von Ray jetzt direkt an der Baustelle öffentlich ausgehängt werden, damit für jeden ersichtlich ist, das diese Baustelle legal ist.
In fünf Abschnitten wird die Baustelle jetzt vom „Building Inspector“ überprüft, d.h. nach jedem dieser Bauabschnitte erfolgt eine Abnahme durch den Inspektor.

Das sind die die fünf Bauabschnitte:
1. Footing
2. Foundation & Drainage
3. Framing and Rough Plumbing
4. Ready for Drywall
5. JOB COMPLETED

Diese oder nächste Woche, müßten die Straßen auch wieder für den Verkehr für „Overloaded Trucks“ freigegeben werden, d.h., dass dann auch das entsprechende Baumaterial angeliefert werden darf. Im Winter und Frühjahr sind viele dieser kleineren Straßen für den Schwerlast-Verkehr gesperrt.

Da ich noch ein bißchen Platz für weitere Einträge habe, möchte ich Euch noch eine kleine Info geben, die absolut nichts mit dem Hausbau zu tun hat

Das Thema sind …. Schuhe.
Vielleicht wissen es ja die meisten von Euch schon: Kanadier haben kleine Füße.
Das ist für uns Europäer schon ein gewisses Problem, da man Outdoor Schuhwerk in Kanada wesentlich günstiger bekommt als in Deutschland. Leider ist meistens bei der Größe 10,5 Schluss. Wer also, wie ich, Größe 11,5 trägt, kann sich fast alle Schuhe angucken aber nicht anprobieren. Das wollte ich nur mal so erzählt haben.

Genauso schlau wie vorher

Jetzt bin ich genauso schlau wie vorher, denn ich habe von Schwartz Furniture bisher immer noch keine Antwort erhalten. Allerdings habe ich in Bezug auf mein letztes Posting zwei Zuschriften erhalten, die ich unbedingt mit Euch teilen möchte, denn unterschiedlicher können Interpretationen nicht ausfallen:

Zitat:
„Aus unserer Erfahrung kannst Du wohl den Kontakt mit dem Möbelgeschäft abschreiben. Wenn die sich nicht mehr melden, haben sie Dir in der Regel nichts mehr zu sagen. Jedoch scheint die kanadische Mentalität nicht zu erlauben, dieses auch per entsprechendem Feedback auszudrücken. Aus gleichen Gründen haben wir uns nämlich auch bei IKEA eingedeckt. Die Qualität ist etwas schlechter, als Du es von DE gewöhnt bist, allerdings haben wir mit Umtausch nie Probleme gehabt. Die haben sogar Sachen nach Monaten umgetauscht, obwohl wir keinen Kassenbon mehr hatten. IKEA baut hier noch auf und daher ist der Kundenservice spitzenklasse. Ist natürlich rein subjektiv.“

Zitat 2:
„Das ist so, für uns schwer zu begreifen, aber kanadische Realität. Das war uns im Vorfeld schon klar. Als wir im Herbst 2004 die ersten Versuche unternahmen, Möbel, Kühlschrank, Herd etc. auszusuchen, bzw. Angebote einzuholen wurde schnell klar: Angebote versenden, besonders auf einen längeren Zeitraum hin, mögen die Kanadier nicht. Hätten wir alles sofort mitgenommen, ein Preisnachlass von 20 – 30% wäre kein Problem. Das war einer der Hauptgründe, warum ich 2005 sehr oft – meistens nur für 3 Tage – drüben war. Wir haben ausgesucht, getestet, bestellt und angezahlt. Damit war der Deal dann perfekt – für beide Seiten. Aber keine Sorge, es klappt.“

Ich persönlich hoffe jetzt einmal für uns, dass der zweite Erfahrungsbericht zutreffen wird. Denn mit jeder Minute nähern wir uns ja dem September und damit vielleicht doch noch
einer Antwort – und vielen Rabatten…

Ich glaube, ich werde nachher noch mal ein höfliches Mail verschicken, in der Hoffnung doch noch eine Antwort zu erhalten.

Kanadische Gelassenheit

Ich denke die ganze Zeit, dass ich schon viel ruhiger geworden bin. Doch von der kanadischen Gelassenheit bin ich noch meilenweit entfernt. Irgendwie kriege ich die deutsche Mentalität, ein Termin ist ein Termin und somit einzuhalten, nicht weg.
Ich hatte ja bereits erwähnt, dass mir Schwartz Furniture ein falsches Angebot unterbreitet hat. Auf meine Mail bekam ich leider keine Reaktion, obwohl „Outlook“ mir den Erhalt bestätigt hat. Also habe ich eine zweite Mail nach Port Hawkesbury geschickt. In dem Anschreiben habe ich die Vermutung geäußert, dass die letzte Mail wohl nicht angekommen ist und ich deshalb nochmal einen neuen Versuch starte. Auch hier wurde der Empfang von „Outlook“ bestätigt. Allerdings habe ich bis heute keine Antwort erhalten. Die Nachricht habe ich allerdings schon vor 5 Tagen verschickt. Wie soll ich mit einem solchen Verhalten umgehen?
In Deutschland wäre das extrem einfach. Ich würde mir einfach einen neuen Lieferanten suchen. Bei „uns“ auf Cape Breton ist das leider nicht ganz so einfach. Es gibt nicht so sonderlich viele Alternativen. Auch die Variante mit IKEA Montreal erscheint mir nicht so verlockend, denn wie sollte ich im Fall einer Reklamation vorgehen? Per Mail? Das könnte nun wirklich spannend werden. Bei Schwartz Furniture hätte ich zumindest die Möglichkeit mal eben vorbeizufahren. Leider will man mir dort im Moment einfach nichts verkaufen. Naja.
Vielleicht sehe ich das aber auch alles zu verbissen. Also werde ich wohl noch ein wenig an meiner kanadischen Gelassenheit arbeiten müssen. Ein paar Tage Zeit haben wir ja noch.

Step by Step geht es weiter

Red Cove

Vor zwei, drei Tagen haben wir von Ray eine Antwort bezüglich des Action-Plans bekommen. Die Freigabe zum Hausbau wurde vom Envoirment (Gesundheitsbehörde) erteilt. Die eigentliche Baugenehmigung ist also nur noch eine Formsache. Das Material für das Dach und den Fußboden wurden bereits bestellt. Die Planung sieht jetzt vor, dass die „Foundation“ Ende April gebaut wird. Wir sind schon jetzt auf die ersten Photos gespannt, da wir Joe und Ray gesagt haben, dass das Haus dort plaziert werden soll, wo Sie es für richtig halten. Nur die Ausrichtung soll zu 100% mit der Küstenlinie übereinstimmen.

Na ja, so groß ist unser Grundstück ja nicht. Der ausgewählte Baugrund wird uns also kaum überraschen und hinter irgendwelchen Bäumen kann man das Haus auch nicht verstecken.

Wir haben jetzt auch die Maße für die Fenster bekommen. Allerdings nicht in cm, sondern in Inch. Da wir aber ein kanadisches Maßband mit Inches und cm besitzen, können wir uns die Maße leicht selber ausrechnen. Auch haben wir heute wieder ein neues englisches Wort gelernt: Obscure Glass, also Milchglass-Verglasung für die Badezimmer. Auf das Wort muß man erst einmal kommen.

Warten auf Godot

Im Moment tut sich wirklich nicht viel. Ich hatte schon den abstrusen Plan Raimond um einen „Action Plan“ zu bitten – und habe es dann auch wirklich getan. Da kommt halt wieder „der Deutsche“ in mir durch. Da ich die Mail aber erst gestern nachmittag abgeschickt habe, ist logischerweise auch noch keine Antwort eingetroffen. Ich hoffe, dass Ray mich jetzt nicht für völlig verrückt hält, aber ich bin nun mal sehr gerne auf dem Laufenden.

Auch was unsere Möbel betrifft, sind wir noch keinen Schritt weiter. Wir haben zwar an Schwartz Furniture in Port Hawksbury eine entsprechende Anfrage geschickt, schön mit allen notwendigen Bestellnummern UND haben auch tatsächlich eine Antwort auf unsere Anfrage erhalten. Leider wurden nicht die von uns angefragten Artikel bepreist, sondern irgendwelche anderen Möbel. Offensichtlich wurden dort zwei verschiedene Anfragen miteinander verwechselt. Jetzt haben wir ein gutes Angebot für ein Schlafzimmer, dass wir gar nicht wollen.
Also haben wir jetzt unsere Anfrage noch einmal rausgeschickt, mit der Bitte, die Preise neben die entsprechenden Artikel zu schreiben. Ich bin gespannt, wann wir unser Angebot erhalten.

Es passiert also im Moment wirklich nicht viel. Ach ja, nachdem wir unseren Geldtransfer noch Kanada abgewickelt haben, auf einem fast historischen Tiefstkurs, erholt sich der €uro gerade wieder. Na ja, dass nennt man wohl „Murphy’s Law“.

Der Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass wir irgendwie eine nette Differenz zwischen den bereitgestellten Can$ und der €uronen-Belastung auf unserem Konto hatten. Es lag allerdings nicht daran, dass wir das „Geschäft“ bereits am Freitag getätigt haben und die Belastung erst am folgenden Montag erfolgt ist, sondern die Mitarbeiterin unserer Bank hat schlicht und einfach den Unterschied zwischen Geldkurs und Briefkurs verwechselt.

Grundsätzlich sollte das einem Bank-Mitarbeiter nicht passieren, aber „so what“. Jedenfalls haben wir durch diese Geschichte zumindest kein Geld verloren. Das ist ja auch schon mal was. Da ich aber auch immer Schwierigkeiten habe, Geld- und Briefkurs auseinander zuhalten, folgt an dieser Stelle einmal die offiziele Definition durch das Börsenlexikon der FAZ:

„Der Preis bzw. Kurs, zu dem Käufer bereit sind, Wertpapiere zu kaufen. Im Gegensatz hierzu ist der Briefkurs der Kurs, zu dem Verkäufer bereit sind, Wertpapiere zu verkaufen. Für die Begriffe Geldkurs und Briefkurs werden auch oft die englischen Begriffe „Bid“ und „Ask“ verwendet.“

Ansonsten gibt es aus Kanada nicht viel Neues. Ich denke, dass der Baubeginn im April erfolgen wird.
Ich habe mich schon gefragt, ob ich wohl so etwas wie einen „Activity Plan“ bekommen werde, der den genauen zeitlichen Ablauf vom Bau von „Red Cove Heights“ dokumentiert. Nach Rücksprache mit einem Freund in BC, sieht es allerdings nicht so aus, als wäre das in Kanada Standard. Als großer Freund von genauen Ablaufenplänen, sowie „Best – und Worst Case“ Szenarien, vermisse ich das natürlich. Da kommt mal wieder die typisch deutsche Kleinkrämer-Seele in mir durch. Wahrscheinlich fehlt mir doch noch die große Gelassenheit der Kanadier.

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